Mit Mut zur Unternehmerin. Die vormaligen Druckereibesitzer hatten der Belegschaft gekündigt. Die 32-jährige interimistische Geschäftsführerin sprang in die Bresche.

Farije Baftijari in ihrer Druckerei in Basadingen. Im Hintergrund die Stahlplaketten, die ein wichtiges Standbein für den Betrieb sind.
(Bild: Dieter Ritter)

Als sie vor nunmehr 21 Jahren bei der Druckerei Rauch ihre Lehre als Siebdruckerin begann, konnte sie wohl nicht erahnen, dass sie dereinst Inhaberin dieser Firma werden sollte. So ist es aber gekommen. Farije Baftijari hat das vor 41 Jahren gegründete und seit 1988 in Basadingen ansässige Unternehmen gerettet. Die vormaligen Besitzer, André Schulthess und Michael Bremer, hatten der Belegschaft gekündigt. Begründung: «Es rentiert nicht mehr.» Baftijari bot Schulthess und Bremer den Kauf der Produktion an.

«Sie machten mir einen fairen Preis und verhalfen mir so zu einem guten Start in die Selbstständigkeit.»

Baftijari gründete eine neue Firma, die Rauch Siebdruck GmbH. Die Rauch-Grafik AG bleibt als Besitzerin der Liegenschaft bestehen. «Mein Mann Afrim ermutigte mich zu diesem Schritt und unterstützt mich», erzählt sie. Trotz Vollzeitjob in Stein am Rhein hilft er im Haushalt, kümmert sich oft um die Kinder und zeigt Verständnis, wenn sie abends spät von der Arbeit kommt. Die Familie investierte ihre gesamten Ersparnisse.

Siebdruck als Kerngeschäft, daneben auch Digitaldruck

Mit offensichtlicher Begeisterung beschreibt Baftijari die Stärken und das Zukunftspotenzial des Betriebs. Mit den Erfahrungen aus mehr als vierzig Jahren verfügt das Unternehmen über umfassende Fachkompetenz und ist über die Landesgrenze hinaus bekannt. Rauch bietet nebst Siebdruck als Kerngeschäft auch Digitaldruck an.

«Digitaldruck ist günstiger, Siebdruck jedoch schöner, hält länger und es können auch Gegenstände wie Werbegeschenke bedruckt werden.»

Aufträge erhält die Druckerei hauptsächlich durch persönlichen Kontakt. «Wir beraten die Firmen und machen Gestaltungsvorschläge. Daraus resultiert dann ein Auftrag», sagt Baftijari. Die Stallplaketten der Firma Rauch sind in der ganzen Schweiz bekannt. Diese bedruckten Schilder machen etwa einen Drittel des Umsatzes aus. Derzeit ist ein Grossauftrag in Arbeit. 2500 Plaketten hat die Genossenschaft Vereinigte Milchbauern bestellt. Produzenten besonders guter Milch dürfen die Plaketten bei ihren Ställen anbringen.

Im dümmsten Moment kam die Coronakrise

Baftijari trat 1999 als Lehrtochter bei Rauch ein. Sie schloss die Lehre als Siebdruckerin ab und arbeitet seither in der Produktion und als Gestalterin. Nach dem Austritt von Urs Forster im Februar 2018 war die Firma ohne offiziellen Geschäftsleiter, und Baftijari musste zusätzlich Verantwortung übernehmen. Mit ihren mehr als zwanzig Jahren Betriebserfahrung konnte sie die zu erwartenden Chancen und Probleme einschätzen.

Das Firmengebäude in Basadingen. (Bild: Dieter Ritter)

Was sie nicht ahnen konnte, war, wie schlimm sich der Coronaschock auswirkt. «Die Coronakrise hat mich im dümmsten Moment erwischt. Kosten sparen allein genügt jetzt nicht», sagt Baftijari. Ein Kredit mit Solidarbürgschaft des Bundes hilft ihr über die schwierige Situation hinweg. Der Zeit nach Corona schaut sie vertrauensvoll entgegen. Sie sucht neue Kunden und baut die Qualitätssicherung weiter aus. Technische Erweiterungen sind vorerst nicht vorgesehen. Ein Tag der offenen Tür ist in Planung.

«Ich bin überzeugt, dass der Kauf dieser Firma für mich die richtige Entscheidung war.»

Baftijari kam im Alter von zehn Jahren von Mazedonien in die Schweiz. 2003 zog sie nach Diessenhofen. Sie wohnt mit ihrem Ehemann und zwei Söhnen im Schulalter an der Steinerstrasse.

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